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Insolvenzen in der Modebranche – Was das für uns Modeprofis bedeutet

Dass Modegeschäfte in der Krise für unsere Sicherheit vorübergehend schließen mussten, war hart genug. Dass wieder eröffnet werden darf, bringt leider nicht immer die Erleichterung, die man sich erhofft hat. Denn noch sind die Kunden kaum in Kauflaune. Es fehlt einfach an Impulsen, sich ein neues modisches Outfit zuzulegen. Wozu, wenn man es doch nur auf dem Sofa tragen kann?

Die Folge: kein Umsatz bei weiterlaufenden Kosten, die Substanz wird aufgezehrt und Insolvenzen folgen. Entweder als Insolvenz in Eigenverwaltung, wenn noch Hoffnung besteht oder gleich als harte Vollinsolvenz.

Schon 2019 war kein leichtes Jahr für die Modebranche. Wer schon damals angeschlagen war, hat der aktuellen Krise wenig entgegenzusetzen. In der Folge sehen wir jetzt leider einige große Namen, die aufgeben mussten bzw. müssen.

Reine Modekonzerne zählen dazu, aber auch große Handelsketten. Wenn dann fast jede zweite Filiale geschlossen werden soll, trifft das nicht nur eigene Mitarbeiter (allein in einem einzigen Fall sind rund 5.000 Arbeitsplätze in Gefahr). Denn oft sind die Handelsketten wichtige Shop-in-Shop-Träger. Mit der Schließung ihrer Flächen wird dann weiteren Mode-Unternehmen die Basis entzogen, die in den Filialen ihre Shop-Flächen angemietet haben. Diese werden praktisch auch in die Schließung gezwungen. Wenn das gleich einen großen Teil des Filialnetzes betrifft, kann auch dies schnell das Aus bedeuten.

Wer seine Verkaufsflächen weiterhin nutzen kann und wo auch die verfügbaren Mittel noch reichen, der hat dagegen bessere Voraussetzungen, durch die schwere Zeit zu kommen. Doch was tun, wenn die Kunden einfach nicht in ausreichender Zahl kommen? Versuche, fehlende Frequenz durch Online-Service auszugleichen, können meist kaum die Ausfälle abdecken. In vielen Fällen sind die Kosten höher als die Erträge.

Gerade kaufkräftige Generationen sind nicht unbedingt online-affin und möchten ihre Daten nicht im Internet preisgeben. Zudem schätzen sie den sozialen Kontakt beim Einkaufen. Diese Generationen bekommt man nicht ohne Weiteres ins Online-Shopping.

Es ist wie ein Dominoeffekt in der Mode-Branche, fällt ein Stein, fallen nach und nach auch andere. Schon dieses Wissen hat psychische Folgen, auch für die Mitarbeiter. Existenzen sind bedroht. Das drohende Wegfallen eines Jobs, der mögliche Verlust von Einkommen, dennoch muss der Lebensunterhalt weiter bezahlt werden, das belastet sehr. Womöglich haben Familien ein Haus gekauft, es muss weiterhin finanziert werden. Klappt die Finanzierung auch in Zukunft? Bleibt der Job erhalten, bleibt die Arbeitslosenquote auch im nächsten Jahr überschaubar? Wie sieht es mit den Ausbildungsplätzen aus?

Viele Fragen kann derzeit wohl niemand seriös beantworten. Es ist ja nicht einmal klar, wie lange uns wohl die ganzen Ausnahmeregeln erhalten bleiben.

Auch grundsätzliche Wirkungen lassen sich nur vermuten. Wie beispielsweise wirken sich die jüngsten Erfahrungen auf die Globalisierung aus? Wird wieder mehr vor Ort produziert? Wenn ja: Gilt das auch für Mode?

Sorgenvoll wird in Länder geblickt, die womöglich stärker betroffen sind und gleichzeitig als Lieferländer hohe strategische Bedeutung haben. Insolvenzen am anderen Ende der Welt können da in der Folge auch zu Insolvenzen hier führen.

Schließlich die Frage, wo das alles – inklusive der immer neu aufgetürmten Schuldenberge – noch hinführen soll. Wird es schlimmer als die Finanzkrise 2008/2009? Droht uns gar eine Neuauflage der Weltwirtschaftskrise von 1929?

Ich meine: derzeit ist vieles nur Spekulation. Entsprechend wenig zielführend ist es, sich zu sehr mit negativen Zukunftsszenarien zu befassen.

Gerade wenn die eigene Zukunft unklar ist, kann es dagegen sehr hilfreich sein, positive Pläne zu entwickeln.

Welche Möglichkeiten gibt es beispielsweise, Erlebnisshopping noch attraktiver zu machen? Ich denke da zum Beispiel an das Ansprechen spezieller Zielgruppen in einem eigenen thematischen Kontext, was dazu führen kann, dass Personen in die Shops zurückkehren, die derzeit wenig Anlass dazu sehen.

Wer sich als Angestellter in der Mode-Branche derzeit Gedanken um die Sicherheit der eigenen Position macht, kann ebenfalls proaktiv werden. Ein spezialisierter Personalberater gibt die Möglichkeit, Optionen diskret zu prüfen und kann Tipps geben, in welche Richtung man sein Wissen mit Fortbildungen sinnvoll ausbauen kann.

Eines wird auch dieses Mal wie immer sein: Es gibt in Krisen Marktteilnehmer, die Schwierigkeiten haben, sich am Markt zu halten und in Insolvenz gehen. Genauso wird es Mitarbeiter geben, die leider zumindest vorübergehend ihren Job verlieren. Doch ebenso wird es auch dieses Mal viele geben, die gestärkt aus einer Krise hervorgehen. Wenn Sie jetzt die richtigen Weichen stellen, können auch Sie dazu gehören.

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